Im Test: RAZR i – Motorolas erstes Smartphone mit Intel-CPU

Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 399 Euro ist das Motorola RAZR i relativ günstig. Dabei bietet es auf dem Papier eine Ausstattung, die sich durchaus sehen lassen kann. Die Auflösung des 4,3-Zoll großen Displays beträgt 540 x 960 Pixel. Angetrieben wird das Gerät von einem 2 GHz schnellen Intel-Atom-Prozessor, der auf einen 1 GByte großen Arbeitsspeicher zurückgreifen kann.

RAZR i: fast alle Apps funktionieren.

In Zeiten steigender Verkäufe von Smartphones und Tablets und sinkender Absatzzahlen traditioneller Computer ist es für den Chiphersteller Intel von existenzieller Bedeutung im Wachstumsmarkt der mobilen Geräte vertreten zu sein. Bisher wird dieses Segment zu annähernd 100 Prozent von der ARM-Architektur dominiert.

Nun ist dem Prozessorgiganten ein erster Erfolg geglückt: Mit dem RAZR i bietet Motorola als erster namhafter Smartphonehersteller ein Android-Modell mit Intel-Technik an, statt wie gewöhnlich eine ARM-basierte Lösung zu verwenden.

Um den 2 GHz schnellen Atom Z2480, der zwar nur über einen Rechenkern, dafür aber Hyperhtreading bietet, verwenden zu können, ist eine Anpasssung des Android-Betriebssystems vonnöten gewesen. Die Optimierung auf die x86-Architektur hat Intel zusammen mit Google vorgenommen. Das RAZR i verwendet Android 4.0.4, ein Update auf 4.1 Jelly Bean ist geplant. Standardmäßig wird das Gerät nur mit 8 GByte Speicherplatz ausgeliefert. Für Daten stehen lediglich 4,9 GByte zur Verfügung. Allerdings lässt sich der Speicher über eine Micro-SD-Karte erweitern.

Die bange Frage, die sich jetzt viele Anwender stellen, bezieht sich natürlich auf die Kompatibilität zu Apps aus dem Google Play Store: Laufen meine Anwendungen oder bedeutet “Intel inside” “Kompatibilität outside”? Die zweite Frage, die von Interesse ist: Bietet der Intel-Chip genügend Leistung?

In Sachen Kompatibilität kann Entwarnung gegeben werden. Zwar existieren einige Anwendungen, zum Beispiel Firefox 17, die sich auf dem Intel-Phone nicht installieren lassen, doch der Großteil der Apps funktioniert mit dem Atom-Prozessor.

In Sachen Performance kann der Intel-Chip durchaus mit ARM-Lösungen mithalten. Allerdings ist die Rechengeschwindigkeit des Hauptprozessors nur eine Seite der Performance-Medaille. Die Leistung der GPU, die vor allem bei aufwändigen 3D-Animationen und Spielen von Bedeutung ist, beeinflusst die Leistung des Geräts ebenfalls. Und hier hat Intel dem durchaus leistungsstarken Atom-Prozessor nur eine mittelmäßige Lösung zur Seite gestellt. Der PowerVR SGX 540 ist schon etwas älteren Datums und kann mit den neuesten Lösungen, die etwa im iPhone 5 zum Einsatz kommen, nicht mithalten. Wer allerdings mit der Grafikperformance eines iPhone 4 oder Samsung Galaxy S zufrieden ist, wird auch mit dem Motorola RAZR i klarkommen: in beiden Lösungen steckt die gleiche GPU.

 

 

Das Gehäuse des RAZR i ist stabil und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Sein 4,3 Zoll großes Display reicht fast bis zum Gehäuserand. Es bietet eine Auflösung von 540 x 960 Pixel. Insgesamt eine durchaus elegante Erscheinung.
Das Gehäuse des RAZR i ist stabil und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Sein 4,3 Zoll großes Display reicht fast bis zum Gehäuserand. Es bietet eine Auflösung von 540 x 960 Pixel. Insgesamt eine durchaus elegante Erscheinung.

 

 

 

Design

Das Motorola RAZR i (interne Bezeichnung: XT890) erreicht in Sachen Design und Verarbeitung zwar nicht ganz das Niveau von Apple-Smartphones, muss sich aber hinter den Angeboten aus dem Android-Lager nicht verstecken. Die Vorderseite besteht fast vollständig aus Glas, welches in einem Aluminiumrahmen eingefasst ist und das 4,3 Zoll große Super-AMOLED-Display schützt. Dessen Darstellungsfläche reicht fast bis zum Gehäuserand. Motorola spricht daher auch vom “Fullscreen-Smartphone”. Für die Rückseite kommt das für Motorola typische Material Kevlar zum Einsatz. Dadurch hinterlässt das Gehäuse einen stabilen und wertigen Eindruck, an dem sich so mancher asiatische “Plastikbomber” ein Beispiel nehmen kann.

 

 

Im Vergleich zum iPhone 4 stellt das RAZR i deutlich mehr Informationen bereit. Allerdings lässt die Display-Technik zu wünschen übrig: Text erscheint ausgefranst und die Helligkeit ist nur mäßig.
Im Vergleich zum iPhone 4 stellt das RAZR i deutlich mehr Informationen bereit. Allerdings lässt die Display-Technik zu wünschen übrig: Text erscheint ausgefranst und die Helligkeit ist nur mäßig.

 

Display

Die Auflösung des 4,3 Zoll großen Displays beträgt 540 x 960 Pixel. Da allerdings die Bedientasten nicht physikalisch, sondern als berührungsempfindliche Schalter auf dem Display erscheinen, liegt die reale Auflösung für Anwendungen bei 540 x 888 Pixel.

Die für Super-AMOLED-Display typische poppige Darstellung der Farben dürfte manchem Anwender als zu aufdringlich erscheinen. Mit Farbtreue hat die Darstellung jedenfalls nichts zu tun. Anders als beim Samsung Galaxy S III kann man die Intensität der Farbdarstellung auch nicht justieren. Insgesamt bietet das Display beim Betrachten von Webseiten und Fotos aber eine gute Qualität.

Das lässt sich leider von der Darstellung von Text nicht behaupten. Aufgrund der verwendeten Pen-Tile-Matrix, die lediglich zwei Subpixel statt drei für die Darstellung eines Pixels nutzt, erscheint Text längst nicht so scharf, wie die Pixeldichte von 256 ppi vermuten lassen würde. Stattdessen sind Buchstaben an den Rändern ausgefranst. Damit lässt die Darstellungsqualität erheblich zu wünschen übrig. Außerdem erreicht das Display mit einer maximalen Helligkeit von etwas über 200 cd/m2 nur einen der hinteren Plätze. Weiß erscheint nicht weiß, sondern leicht gelbstichig. In Sachen Schwarzwert gibt es AMOLED-typisch hingegen nichts zu bemängeln. Die Qualität der Kamera-Schnappschüsse erreicht nicht ganz das Niveau von aktuellen Top-Smartphones. Generell sollte man jedoch von Kameras in Telefonen nicht sehr viel erwarten. Trotz der in den vergangenen Jahren erzielten Verbesserungen in diesem Bereich, sind qualitativ hochwertige Fotos mit Smartphones gegenwärtig kaum zu realisieren.

Störend beim RAZR i ist das laute Aufnahmegeräusch, sodass Serienaufnahmen von 10 Bildern in der Sekunde von einer akustischen Maschinengewehrsalve begleitet werden. Leider lässt sich das Schnappschuss-Signal nicht standardmäßig abschalten. Hierfür muss das Gerät gerootet werden.

Mit dem am rechten unteren Gehäuserand angebrachte Schalter kann die Kamera-App aktiviert werden, sodass man schnell “schussbereit” ist. Andererseits passiert es in der Praxis häufig, dass man beim Umgreifen des Smartphones zufällig diesen Schalter erwischt und die Kamera ungeplant aktiviert. Nach etwas Eingewöhnungszeit sollte man dieses Problem aber in den Griff bekommen.

Performance

Das RAZR i mit 2 GHz schnellem Atom-Prozessor arbeitet durchaus flott. Ruckler sind so gut wie nicht wahrnehmbar. Taskwechsel zwischen geöffneten Anwendungen gelingen sehr schnell. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn man die Home-Screens konfigurieren möchte, werden die einzelnen Seiten miniaturisiert dargestellt und sobald man auf eine klickt, wird diese durch eine Zoom-Animation vergrößert dargestellt. Diese Animation gelingt dem Gerät nicht ruckelfrei.

Ansonsten zeigen die Benchmarks, dass der verwendete Atom-Prozessor durchaus mit der ARM-Plattform konkurrieren kann. Im Sunspider-Test, der die JavaScript-Performance des verwendeten Browser untersucht, erreicht das RAZR i fast die Performance eines iPhone 5. Beim Geekbench-Test, der die Rechenleistung der CPU anhand zahlreichen Testverfahren ermittelt, zeigt die Intel-CPU jedoch Schwächen. Die Integer-Berechnung gelingt dem RAZR i nur halb so gut wie dem iPhone 5. Mit 661 Punkten im Passmark-3D-Test kann es mit dem iPhone 5, das 1752 Punkte erzielt, ebenfalls nicht mithalten. Wer also sein Smartphone häufig für 3D-Spiele verwendet, sollte sich nach einem anderen Gerät umsehen.

Die Audioqualität während eines Telefongesprächs liegt auf dem Niveau vergleichbarer Geräte. Empfangsprobleme konnten weder zu Mobilfunkzellen noch zu WLAN-Hotspots ausgemacht werden. Der mitgelieferte Kopfhörer ist besser als beispielsweise das Modell, das Apple seinen Smartphones beilegt. Trotzdem sollten audiophile Anwender Kosten für die Anschaffung einer höherwertigen Variante einplanen.

 

Software

Auf dem RAZR i läuft Android 4.0.4, ein Update auf Version 4.1 hat Motorola versprochen. Angeblich soll es noch dieses Jahr ausgerollt werden. Die von den Herstellern meistens vorgenommene Modifikation der Android-Bedienoberfläche hält sich beim RAZR i in Grenzen. Lediglich durch ein Menü, das links neben dem ersten Home-Screen erscheint und über das Schnelleinstellungen für Klingelton, WLAN, Bluetooth, GPS, Mobilfunkdaten, Flugmodus, Telefonsperre und zu den weitern Einstellungen möglich sind, unterscheidet sich die Bedienung von Standard-Android-Versionen.

 

Akkulaufzeit

Die Laufzeit des 2000 mAh starken Akkus des RAZR i überzeugt. Damit hält das Gerät deutlich länger durch als iPhone 5 oder Galaxy S III. Zudem bietet das RAZR i noch eine App namens Smart Actions, die sich so einstellen lässt, dass ausgewählte Funktionen bei niedrigem Akkustand deaktiviert werden, sodass sich die Laufzeit nochmals verlängern lässt.

 

Fazit

Das RAZR i bietet ein sauber verarbeitetes und stabiles Aluminiumgehäuse. Dank der Rückseite aus Kevlar und der Glasvorderseite vermittelt es einen wertigen Eindruck. Auch das nahezu randlose 4,3-Zoll-Display trägt in Bezug auf Design zum sehr guten Eindruck des Geräts bei. Trotz der Displaygröße ist es bei fast gleicher Breite wie das iPhone 4S nicht einmal einen Zentimeter länger als das Apple-Handy, das nur über einen 3,5-Zoll-Bildschirm verfügt.

Die gute Performance des Intel-Chips, mit der für den Gelegenheitsspieler ausreichend Leistung bietenden 3D-Lösung, sorgt dafür, dass sich Android 4.0.4 auf dem Gerät meistens flüssig bedienen lässt. Die wenigen inkompatiblen Apps stellen ebenfalls kein Ausschlusskriterium dar.

Da stört die mittelprächtige Darstellung von Text schon mehr. Auch die mäßige Helligkeit und die zu poppige Farbdarstellung stehen auf der Negativseite. Mittelmaß herrscht auch in Sachen Kamera. Wer mit diesen Mängeln klar kommt, erhält mit dem RAZR i ein elegantes und kompaktes Smartphone zu einem noch akzeptablen Preis. Motorola RAZRi (XT890)

Typ: Bartype
OS: Android 4.0.4
Display: 4,3 Zoll, S-AMOLED Advanced
Auflösung 540 × 960 Pixel
Display-Art: Touchscreen, kapazitiv
Bedienung: Touch
CPU / Chip: Single-Core mit Hyperthreading, 2,0 GHz Intel Atom Z2480
Arbeitsspeicher: 1 GByte
Speicher: 8 GByte (4,9 GByte verfügbar), per micro-SD-Karte erweiterbar
Verbindungen: GPRS/EDGE/HSDPA/HSUPA/HSPA+/WLAN/Bluetooth/NFC
Standards / Besonderheiten: HSPA+ (bis zu 5,76 Mbit/s Up-, bis zu 21 Mbit/s Download), WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 2.1+EDR, NFC
Kamera: 8 Megapixel, LED-Blitz, 0,3-MP-Frontkamera, Videoaufnahme in bis zu 1.080p
Akku (mAh): 2000 mAh
Abmessung: 122,5 × 60,9 × 8,3 mm
Gewicht: 126 Gramm
Audio: AAC, AAC+, AMR NB, eAAC+, H.263, H.264, MIDI, MP3, MPEG-4, WAV, WMA10, WMA9 und WMA v9-Dateien
Video: H.264 Baseline 1080p bei 30 Bildern/Sek. mit AAC 44.1 kHz-Audio
Lieferumfang: Ladeadapter, Datenkabel, Stereo-Headset, SIM/SD-Karten-Einbauhilfe, Kurzanleitung

Fazli Kabashi
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